Wer darf das Elternhaus erben?

Nach einem Todesfall in der Familie kann es häufig zu Uneinigkeiten kommen, wer der Elternhaus erben wird. Hier kommen mehrere Varianten in Frage.

Wenn die Eltern über ein eigenes Haus verfügen, wird sich über kurz oder lang die Frage nach der Übergabe der Liegenschaft an die Kinder stellen. Das geschieht entweder durch eine Erbschaft oder zu Lebzeiten in Form einer Schenkung oder Überschreibung. Vor allem die Erbschaft kann jedoch in vielen Fällen zum Streitfall werden.

Die gesetzliche Erbfolge

Liegt kein Testament vor, regelt der Gesetzgeber die Aufteilung einer Erbschaft. Allerdings ist eine Liegenschaft nicht so leicht teilbar wie ein Geldbetrag. Die gesetzliche Erbfolge tritt ein, wenn der Erblasser weder ein Testament noch einen Erbvertrag hinterlässt. Im Gesetz findet man dazu drei Klassen von Erben.

  1. Die Erben 1. Ordnung sind Kinder oder Enkelkinder. Diese sind nach dem Gesetz vorrangig erbberechtigt.
  2. Zu den Erben 2. Ordnung gehören Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen. Die 2. Ordnung greift nur, wenn es keine Erben 1. Ordnung gibt.
  3. Die Erben 3. Ordnung sind Großeltern, Onkel, Tanten, Cousinen oder Cousins. Sie erben nur, wenn es keine anderen Erbberechtigten gibt.

Eine Ausnahme bilden lediglich Ehepartner. Sie erben im Fall des Todes des anderen Ehepartners immer einen Teil, auch wenn noch andere Erbberechtigte vorhanden sind. Geregelt ist dieser Umstand im § 1931 BGB.

Das Elternhaus erben durch eine Erbengemeinschaft

Vor allem bei der gesetzlichen Erbfolge kann es passieren, dass eine sogenannte Erbengemeinschaft entsteht. Wer kann nun dort das Elternhaus erben? Eine Immobilie wird in diesem Fall unter den verschiedenen Erbberechtigten zu gleichen Teilen aufgeteilt. Damit befinden sich dann mehrere Eigentümer im Besitz eines Objekts. Will nun ein Erbe seinen Anteil verkaufen, ist das nur möglich, wenn die gesamte Liegenschaft verkauft wird. Dafür benötigt man jedoch die Zustimmung der gesamten Erbengemeinschaft. Ist dies nicht der Fall, muss eine Teilungsklage eingebracht werden und es kommt zur Zwangsversteigerung. Aus diesem Grund versuchen viele Erblasser, die Entstehung einer Erbengemeinschaft zu verhindern. Das gelingt mithilfe eines Testaments oder eines Erbvertrags.

Das Testament

Das Testament bietet einem Erblasser die Möglichkeit, das Erbe an bestimmte Personen zu vererben. In diesem Fall kann das Erbe auch an Fremde fallen. Im Testament können auch Bedingungen für die Erbschaft eingetragen werden. Allerdings haben auch bei einem Testament die gesetzlichen Erben einen Anspruch auf die Auszahlung ihres Pflichtanteils. Pflichtteilsberechtigte Personen entsprechen jedoch nicht den erbberechtigten Personen.

Zwar orientiert sich die Pflichtteilberechtigung an der gesetzlichen Erbfolge, ist jedoch nicht mit ihr identisch. Zu den pflichtteilberechtigten Personen gehören:

  • Ehepartner
  • Kinder
  • Enkelkinder
  • Nachfahren

Personen aus der 2. Ordnung der Erbfolge sind mit Ausnahme der Eltern des Erblassers nicht pflichtteilsberechtigt. Auch Personen aus der 3. Ordnung haben keinen Anspruch auf einen Pflichtteil. Bei den Pflichtteilberechtigten gibt es eine eigene Rangordnung. Hier sind die verwandtschaftlichen Verhältnisse zum Erblasser vorrangig. Die Höhe des Pflichtteils richtet sich nach dem gesetzlichen Erbteil. Meist wird die Hälfte davon als Pflichtteil betrachtet.

Der Erbvertrag

Ein Erbvertrag ist meist mit einer Gegenleistung des Begünstigten verbunden. Das heißt, der Erblasser erhält für die Überlassung eines Vermögensteils eine bestimmte Gegenleistung. Bei einer Immobilie kann dies beispielsweise ein lebenslanges Wohnrecht sein. Genau so wie das Testament kann auch ein Erbvertrag eine Erbengemeinschaft umgehen.

Der Erbvertrag wird unter dem Erblasser und einem Vermächtnisnehmer oder Alleinerben bei einem Notar abgeschlossen. Im Gegensatz zum Testament kann der Erbvertrag mit Pflichten des Vermächtnisnehmers ausgestattet werden. Während der Erblasser sein Testament jederzeit einseitig ändern kann, ist das beim Erbvertrag nicht möglich. Eine Änderung des Erbvertrags erfordert die Zustimmung des Vermächtnisnehmers.

Das Elternhaus erben: Die Überschreibung

Die Überschreibung einer Immobilie kann für den Begünstigten finanzielle Konsequenzen zur Folge haben. Wenn Eltern ihre Liegenschaft zum Beispiel einem Kind überschreiben, haben dessen Geschwister trotzdem Anspruch auf ihren Pflichtteil. Nach dem Tod der Erblasser muss das begünstigte Kind den sogenannten Pflichtergänzungsteil an seine Geschwister auszahlen. Dies ist der Fall, wenn das gesamte vererbte Vermögen aufgrund dieser Schenkung reduziert worden ist. Die Höhe des Pflichtteilergänzungsanspruchs hängt vom Zeitpunkt des Todes des Erblassers ab. Verstirbt dieser innerhalb von 10 Jahren nach der Schenkung, erhalten die Geschwister bis zu 90 % des gesetzlichen Pflichtanteils. Das geschieht, wenn der Erblasser im Jahr der Schenkung stirbt. Danach reduziert sich der Anteil jedes Jahr. Stirb der Erblasser im 10. Jahr nach der Schenkung, erhalten die Geschwister nur noch 10 %.