„Braune Immobilienkäufer“: Vermehrte Immobilienkäufe durch Rechtsextreme in Ostdeutschland

Kleinstadt in Deutschland

Mit großer Sorge blicken Politiker und Sicherheitsbehörden nach Ostdeutschland. Denn scheinbar befinden sich dort immer mehr Immobilien und Grundstücke zunehmend in den Händen von einzelnen Personen sowie Gruppierungen, die eindeutig der rechten Szene zuzuordnen sind. Experten befürchten, dass sich so der Rechtsextremismus in bestimmten Ortschaften und Gebieten, vor allem auf dem Land, fest etablieren könnte. Doch wie genau steht es diesbezüglich um den ostdeutschen Immobilienmarkt?

Thüringen: Politikerin warnt vor „faschistischer Landnahme“

Laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) gibt es aktuell in mindestens drei ostdeutschen Bundesländern 67 Grundstücke, deren Eigentümer eindeutig dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, darunter etwa 18 in Thüringen, 22 in Sachsen-Anhalt und 27 in Sachsen.

Alle Grundstücke befänden sich in kleineren Ortschaften, die somit von „einer Art faschistischer Landnahme“ bedroht seien, so Katharina König-Preuss, Linken-Abgeordnete im Thüringer Landtag. Die Politikerin beobachtet, dass Thüringen nicht nur als Veranstaltungsort von der rechtsextremen Szene gern genutzt wird, sondern auch von Größen der rechten Szene zunehmend als Wohnort und Arbeitsplatz gewählt wird. So haben in der Vergangenheit nicht nur der ehemalige Berliner NPD-Chef sowie der Bundesvorsitzende der rechtsextremen Organisation „Blood & Honour“ in verschiedenen Thüringer Landkreisen ihre Zelte aufgeschlagen. Auch der in der rechten Szene bekannte Rapper Chris Ares sorgte mit einem Posting in einem sozialen Netzwerk für Aufruhr, als er dort die Umsetzung von zwei großen Projekten verkündete.

Rechte Wohnprojekte und Treffpunkte in Bautzen

Chris Ares, der mit bürgerlichem Namen Christoph Aljoscha Zloch heißt, machte in dem bekannten Netzwerk Telegram Details über die Einrichtung eines „patriotischen Jugendzentrums“ sowie eines Wohnprojektes öffentlich. Beide Einrichtungen sollen nach Aussagen des 28-jährigen, der seit 2016 vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wird, im Landkreis Bautzen entstehen. Geplant sei die Einrichtung eines „Dorfes“ sowie eines Jugendtreffs mit umfassendem Angebot, „wo die jungen Patrioten sein können“.

Neben dem Immobilienerwerb werden durch die rechte Szene, etwa durch die „Initiative Zusammenrücken“, bundesweit außerdem Wohnangebote für Neonazis veröffentlicht. Auch die rechte Gruppierung „Nordadler“ plant laut eigener Aussage den Immobilienerwerb in den neuen Bundesländern zur Errichtung von Sport- und Schulungszentren.

Das rechtsextremes Gedankengut mancherorts erschreckender Teil des ganz “normalen” Alltagsgeschehens ist, zeigt ein Blick nach Veßra. Der Pächter des Lokals „Goldener Löwe“ bietet dort hin und wieder das sogenannte „Führerschnitzel“ zum Preis von 8,88 Euro an. Die Zahl acht ist in rechten Kreisen als Symbol bekannt und markiert den achten Buchstaben des Alphabets. Die 88 steht also für „HH“, was in einschlägigen Kreisen als Abkürzung des Führergrußes „Heil Hitler“ gilt. Anstoß an diesem „Führerschnitzel“ nimmt in dem ostdeutschen Örtchen kaum jemand.

Nicht nur Ostdeutschland betroffen: ein Blick nach Bayern

Zwar sind die neuen Bundesländer seit Jahren das Sorgenkind der Verfassungsschützer. Vor allem Sachsen gilt als Hotspot für rechte Immobilienkäufer. Doch auch in anderen Bundesländern tummeln sich Rechtsextremisten auf den Immobilienmärkten.

Das Bundesinnenministerium geht dabei von mindestens über 140 Immobilien aus, welche durch einzelne Rechtsextremisten oder Gruppierungen erworben wurden. Daneben werden auch Wohnobjekte ins Auge gefasst, die durch Rechtsextremisten zwar nur angemietet oder gepachtet wurden, bei denen allerdings durch gute Kontakte zum Eigentümer eine besondere Nutzungs- und Kontrollmöglichkeit durch die Extremisten besteht.

München geriet jüngst ins Visier der Verfassungsschützer. Die dort ansässige Burschenschaft „Danubia“ wird von den Behörden mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht. Nach Angaben des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) habe die Vereinigung auch Kontakte zu Franco A. gepflegt, dem durch die Justizbehörden die Planung eines terroristischen Anschlages vorgeworfen wurde.

Neben der Landeshauptstadt geben auch Aktivitäten in Feilitzsch, Oberfranken, Anlass zur Sorge. Das Haus des bekannten Neonazis Rennicke gilt als Zentrale der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“.

In der Pfalz betreibt der szenebekannte Neonazi Schröder ein rechtes Label, welches die Rechtsextremen mit symbolträchtigen Kleidungsstücken und Accessoires versorgt. Zusammen mit einem Ex-NPD-Parteimitglied veranstaltete Schröder vor einiger Zeit ein Rechtsrock-Festival mit tausenden Besuchern.

Besondere Gegebenheiten ostdeutscher ländlicher Orte werden für die Bildung von völkischen Gruppierungen verantwortlich gemacht. Laut der Politikerin König-Preuss stärkten diese Bedingungen den Rechtsextremismus vor Ort und führten zu einer raschen Verbreitung rassistischen Gedankenguts sowie einer Häufung rechtsextremistisch motivierter Straftaten. Die Linken-Politikerin Martina Renner fordert deshalb ein genaueres Hinsehen der Bundesregierung. Zu viele Stützpunkte diverser rechter Gruppierungen seien unbehelligt und würden gar nicht zu den Szene-Immobilien hinzugerechnet. Sowohl Renner als auch König-Preuss fordern deshalb gerade für den ostdeutschen Immobilienmarkt ein aufmerksameres Auge der Behörden.

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