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Landgrabbing in Brandenburg

„Landgrabbing“ – ein Begriff, den man im Zusammenhang mit sozialen und ökonomischen Krisen in Afrika und Südamerika kennt, aber was hat das mit Brandenburg zu tun? Der Begriff, der lautmalerisch den Raub von großen Ackerflächen beschreibt, ist tatsächlich auch hierzulande ein virulentes Problem. Seit einigen Jahren haben Großinvestoren aus der deutschen Versicherungsbranche aber auch aus Fernost – vor allem China – die Brandenburger Äcker als Investitionsobjekt entdeckt. Welche Auswirkungen hat das und wer stellt sich gegen diese Tendenz?

Warum gerade Landgrabbing in Brandenburg?

Historisch gesehen haben die Kommunisten den Kapitalisten von heute die Bahn für ihre Profite geebnet. In den 1960er Jahren zerschlug die SED in einer konzertierten Aktion die kleinräumige Landwirtschaft in Brandenburg. Die Betriebe mussten sich zu großflächigen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammenschließen.

Sie mussten zusammen wirtschaften und die Bestellung ihrer Felder planen. Damit unterschied sich die Flächenstruktur in Brandenburg entscheidend von der in den westdeutschen Bundesländern. In der BRD dominierte eine familienbasierte Landwirtschaft mit deutlich kleineren Parzellen. Daher ist die westdeutsche Landwirtschaft deutlich weniger vom aktuellen Landgrabbing-Trend belastet als der Osten der Republik.

Diese großen Einheiten blieben nämlich erhalten. Zwar wurden viele nach der Wende von der Treuhand an Investoren verkauft, viele aber auch verpachtete. Diese Verträge laufen nun aus und können neu verteilt werden. Hier kommen nun die Investoren ins Spiel. Große Flächen sind für sie interessant, weil im aktuellen Niedrigzinsniveau, der Anbau von Mais für die Energiegewinnung oder auch Gemüseanbau rentabler sind, als das Geld auf einer Bank zu bunkern.

Außerdem gibt es Subventionen der EU-Kommission gestaffelt nach der Größe des jeweiligen Landes. Diese Regelung bevorzugt massiv Großinvestoren und das haben diese mittlerweile begriffen und nutzen es für sich.

Der Ausverkauf der Ackerflächen hat System

Der direkte Kauf von Ackerflächen ist Großfirmen, die nicht in der Agrarbranche tätig sind, in der Regel verwehrt. Aber eine Gesetzeslücke macht genau das in Brandenburg doch möglich. Der Umweg geht über sogenannte Share-Deals. Dort kauft eine Agrarfirma größere Landflächen in Brandenburg. Oftmals waren diese Äcker früher im Besitz einer LPG, das heißt, dass es sich um großräumig zusammenhängende Gebiete handelt. Da diese Gebiete oft von der Nachfolgegesellschaft der Treuhand, die BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, verwaltet werden, sind sie zwar freiverkäuflich, aber die BVVG muss die Flächen an den Höchstbietenden verkaufen. Daher kommen kaum Kleinbauern und private Einzelunternehmer zum Zuge. Großfirmen sind in der Lage deutlich höhere Preise zu zahlen.

Diese kaufenden Agrarunternehmen werden anschließend attraktiv für noch größere Konzerne – etwa Versicherungen wie die Münchner Rück. Dieser Konzern erwarb 2015 die Mehrheit an einem Tochterunternehmen von KTG Agrar. Diese Tochterfirma hatte zuvor große Flächen in Brandenburg erworben. Das war ein sog. Share Deal. Dieses Vorgehen ist völlig legal und das Land in Brandenburg kommt so in den Besitz einer Versicherung.

Kritik am Ausverkauf von Ackerland

Kritik an diesem Ausverkauf ist bereits von mehreren Politikern, aber vor allem von Seiten der übrigen Investoren geäußert worden. Vor allem Kleinbauern, die in Brandenburg tätig sind, haben Probleme neue Landflächen zu erwerben.

Aber auch Personen, die sich neu in Brandenburg ansiedeln möchten und naturnahe Bewirtschaftungsprojekte umsetzen möchten, sehen sich mit Problemen konfrontiert. Sie sind nicht in der Lage für erschwingliche Preise Landflächen zu bekommen.
Entscheidend sind jedoch die Folgen dieser Landgrabbing Politik. Sie sind hinlänglich tatsächlich aus Afrika und Lateinamerika bekannt. Wenn Großfirmen, die nicht vor Ort ansässig sind und auch die Struktur des Landes nicht kennen und sich kaum darum kümmern, den Großteil des Landes besitzen, schadet das der lokalen Struktur und Kultur.

Es führt zu einem rücksichtslosen Raubbau an den Feldern. Sie werden nicht so bewirtschaftet, dass sie auch in Zukunft Ertrag bringen, sondern so, dass sie im Moment den maximalen Profit abwerfen. Dies schädigt die Böden nachhaltig, also auch für die Zeit, in der diese Firmen die Böden je nach Finanzlage wieder abstoßen werden. Außerdem bleibt das erwirtschaftete Geld nicht in der Region. Es geht nicht um eine nachhaltige Personalpolitik, Reinvestitionen und die Pflege der Natur, sondern um Gewinnmaximierung. Das führt zu einem verfallen der dörflichen Struktur und einer nachhaltigen Verweisung der Region. Das Landgrabbing in Brandenburg hat also massive Folgen.
Auf diese Folgen machen Kleinbauernvereinigungen immer wieder in Aktionstagen aufmerksam und auch die Oppositionsparteien im Brandenburger Landtag weisen seit einigen Jahren auf die Missstände hin. Die Konzerne nutzen die Gesetzeslücke aus und erwerben völlig legal riesige Landflächen.