Zum Inhalt springen

Mehr Solarstrom für Berlin

Solarstrom ist nichts Neues mehr, aber dennoch erschließt sich erst nach und nach das Potential dieser Form der Energiegewinnung. Obwohl die Forschung an Solarenergie in Deutschland in den letzten Jahren massive Probleme hatte und viele Firmen ins Ausland abgewandert sind, hat sich der Ausbau der Technik selbst nicht verlangsamt.
In vielen ländlichen Gebieten sind Photovoltaikanlagen auf Privathäusern schon gang und gäbe, aber wie sieht es mit dem Potential von Solarenergie in Großstädten wie Berlin aus?

Ramona Pop, die Grüne-Energiesenatorin von Berlin setzt viel Hoffnung auf das Projekt Solar. Sie sieht darin eine Möglichkeit die Energieversorgung Berlins sauberer und für die Berliner auch billiger zu machen. Bisher schlummert dieses Potential noch.

Großprojekt der Wohnungsbaugenossenschaften

Im grauen November fand in Berlin ein Energiegipfel statt und das Signal, das von diesem Treffen ausging war klar: Berlin braucht mehr Solarstrom. Dafür holte sich die Berliner Energiesenatorin Ramona Pop (Grüne) die großen Berliner Baugenossenschaften mit ins Boot. In einer Machbarkeitsstudie sollen die Dächer stadteigenen Gebäude überprüft werden, in wie weit sie für die Bebauung mit Solarpanelen geeignet sind.
Im Moment kommt nur 1 Prozent des Stroms, der in Berlin verbraucht wird, aus Solarenergie. Pop beschreibt bei diesem Treffen eine Zielmarke von 25 Prozent. Der Strom soll jedoch nicht nur in das Berliner Stromnetz eingespeist werden, sondern direkt den Bewohnern der Häuser selbst zu Gute kommen.

Dafür arbeiten die Wohnungsbaugenossenschaften bereits an einem Vertragsmodell. Der Strom vom Dach soll für die Mieter nicht nur umweltfreundlicher werden, sondern auch günstiger. Das Projekt, das Ramona Pop dort initiiert, dürfte das größte Solarprojekt im Wohnungsbereich in Deutschland werden. Es ist jedoch auch als Signal an die privaten Bauherren in Berlin gedacht: Solartechnik ist nicht nur auf großen Freiflächen möglich, sondern eine ganz konkrete Möglichkeit in Zukunft Stadtbewohner günstig und sauber mit Energie zu versorgen.

Passivhäuser mit Ladestationen in Adlershof

Neben diesem großen staatlichen Projekt gibt es bereits ein privates Bauprojekt, das sich ebenfalls als „Leuchtturm“ versteht. Die Münchner Firma Polarstern ist eigentlich ein Anbieter von Ökostrom. In Berlin wagt sie sich nun auf den Häusermarkt. In Adlershof entsteht im Moment eine ganze Passivhaussiedlung mit einem sog. „Plusenergiekonzept“.

Die Bewohner der Häuser werden mit Strom versorgt, der aus Photovoltaikanlagen gewonnen wird. Dafür werden nicht nur die Dächer, sondern auch die Fassaden der Häuser mit Solaranlagen versehen. Der Strom, der dort gewonnen wird, wird dann an die Mieter über einen gesonderten Mieterstromtarif weitergegeben. Dieser soll jedoch nicht nur für den Stromverbrauch in der Immobilie genutzt werden, sondern auch für das Laden von Elektroautos. Dafür werden separat Ladestationen aufgestellt.

Dieses Projekt soll zeigen, wie Strom in Zukunft bei Neubauten, aber auch bei einer energetischen Sanierung von Altbauten, mitgeplant werden kann. Die Investition in Photovoltaikanlagen lohnt sich auch für zukünftige Besitzer von Wohneigentum, weil es sich auf die lange Sicht rechnen wird. Das ist zumindest die Botschaft, die vom Adlershofer Projekt ausgehen soll.

Förderung für Mieterstrom

In Deutschland existiert seit kurzem das Photovoltaik-Mieterstromgesetz, das bereits von der EU-Kommission genehmigt wurde. Dort wird geregelt. Bisher war der Eigenverbrauch von Photovoltaikanlagen deutlich bessergestellt, als der von Mieterstromanalgen. Das hat sich durch das neue Gesetz verbessert, wenn auch von manchen Seiten die Kritik laut wird, dass der Gesetzgeber noch etwas weiter hätte gehen können.

Genau Informationen zur Auszahlung und Beantragung des Zuschusses hat der Bundesverband Solarwirtschaft zusammengestellt und berichtet, dass sich der Mieterstromzuschlag an der Größe der installierten Anlage orientiert. Er kann zwischen 2,11 und 3,7 Cent pro Kilowattstunde betragen.

Das politische Signal ist mithin klar: Photovoltaik-Mieterstromprojekte sollen rentabel werden. Damit wird ein finanzieller Anreiz gesetzt, um in Zukunft auch in Großstädten vermehrt auf Mieterstromprojekte zu setzen. Die Beispiele in Adlershof und auf den Gebäuden der Berliner Baugenossenschaften zeigen, dass der Plan funktioniert und in Zukunft immer mehr Mieter von günstigem Strom profitieren können werden.