Tesla Gigafactory – der Wolf im Schafspelz?

Seit 2020 befindet sich Elon Musks Tesla Gigafactory im Bau in Berlins Gebiet Grünheide, deren Bau viele Kritiker auf den Plan ruft.

Elon Musk – eine lebende Legende?

Im Alter von 24 Jahren gründete Musk mit seinem Bruder sein erstes Startup Zip2, im Jahre 2000 folgte PayPal, zwei Jahre später gründete er SpaceX und im Jahr 2003 folgte Tesla Motors. Und nun wirkt er in Deutschland, tiefste Provinz – in Grünheide (Brandenburg) wurde mit dem Bau einer Gigafactory begonnen. In einer ersten Stufe sind jährlich 500.000 Elektrofahrzeuge für den europäischen Markt anvisiert. Laut aktueller Planung sollen im vierten Quartal 2021 die ersten Autos vom Band rollen. Grünheide ist die vierte Fabrik dieser Art, die anderen drei Großfabriken stehen in Nevada, New York und Shanghai.

Grünheide im Änderungsmodus

In Grünheide hat Tesla am 20.12.2019 Unterlagen in fünf Ordnern auf etwa 1.500 Seiten eingereicht. Die öffentliche Auslegung begann am 06.01.2020, nach der öffentlichen Auslegung lagen Einwendungen von 414 Institutionen, Personen oder Vereinigungen zur Erörterung vor. Kriterien im Genehmigungsverfahren sind Schutzgüter, wie die menschliche Gesundheit, Wald, Wasser, Tiere, Pflanzen, die Luft, aber auch Sach- und Kulturgüter. Musk macht Druck, die Baugenehmigung war noch nicht einmal erteilt, als Tesla begann, die ersten 90 Hektar Wald zu roden. Der mediale Aufschrei fiel entsprechend laut aus. Waldgebiete sollten einer Superfabrik weichen? Das Land Brandenburg verteidigte Elon Musk, bei dem Wald handelte es sich um Monokultur. Zu 90 Prozent wurden Kiefern abgeholzt. Bei Versagen der Baugenehmigung hätte wieder entsprechend aufgeforstet werden müssen. Die Hälfte der neue zu pflanzenden Bäume sollen Laubbäume sein. Damit bieten die neuen Wälder mehr Tieren einen Lebensraum. Diese Wälder benötigen außerdem weniger Wasser als Kiefernwälder.

Auch sonst gibt sich Elon Musk wie ein Umweltaktivist. Seit März konnte man die E- Autos von Tesla mit Bitcoins bezahlen – doch damit ist es nun vorbei. Laut Gründer von Tesla akzeptiert seine Firma die Kryptowährung nicht mehr. Grund sei die miese Energiebilanz. Ob er dabei an das fehlende Wasser in Brandenburg gedacht hat, darf bezweifelt werden. Fakt ist, der Wassermangel ist ein riesiges Problem.

Gigafactory: Umweltfreundliche E-Autos vs Wassermangel

Zwar hat der Chef von Tesla angekündigt, dass in Grünheide die “umweltfreundlichste Fabrik der Welt” entstehen wird. Jedoch hegen Umweltverbände und Bürger Zweifel: Es wird befürchtet, dass die Gigafactory mit ihrem Wasserverbrauch alles trocken legen wird. Der Umweltminister Axel Vogel (Grüne) sagte dem ZDF-Magazin „Frontal 21“, dass die Fabrik ab Sommer 2021 erstmal rund 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr verbrauchen wird. Wie die folgende Rechnung von Tesla zeigt, es werden zukünftig sogar 0,7 Millionen Kubikmeter Wasser mehr pro Jahr sein. Denn für die Herstellung von E-Batterien wird sehr viel Wasser benötigt. 243 Kubikmeter je Stunde sind bei 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr knapp 2,1 Millionen Kubikmeter Wasser. Diese Menge an Wasser muss der örtliche Wasserversorger, der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) bereit stellen. Der WSE äußert sich wie folgt: „Wir versorgen derzeit rund 170.000 Menschen. Wenn Tesla dazu kommt, entspricht das dem Verbrauch von rund 70.000 Menschen mehr. Dazu haben wir derzeit nicht die Kapazitäten“. Ursprünglich war der Wasserverbrauch sogar noch höher. Das Gutachten zur Umweltverträglichkeit benannte noch 372 statt 243 Kubikmetern, vermutlich wurde der prognostizierten Verbrauch durch effizientere Prozesse bereits gesenkt.

Lösungen deuten sich an

Es ist allgemein bekannt, dass Wasser ist nicht nur in der Ostbrandenburg gerade nach den letzten Dürresommern knapp. Die Trockenheit schuf bisher schon gewaltige Probleme für die Bauern, nun kommt ein zusätzlicher Wasserverbraucher hinzu – die Freude hält sich verständlicher Weise in Grenzen.

Das Land Brandenburg hat zugesagt, die Fabrik mit Wasser zu beliefern – Fördermittel werden fließen müssen. Trotzdem, wenn wie zu erwarten, immer mehr Unternehmen und damit Menschen in die Regionen ziehen und Tesla seine Fabrik erweitert, wird Wasser richtig knapp. Es wird befürchtet, dass die im nahen Naturschutzgebiet Löcknitztal lebenden Pflanzen und Tiere leiden, wenn der Grundwasserspiegel aufgrund der zusätzlichen Förderung sinkt. Tesla handelte und überarbeitete die Fabrikpläne. Das Regenwasser von den großen Dachflächen soll in mehrere Becken statt in eine große Grube sickern. Damit wird der Grundwasserspiegel unter der Fabrik so gering wie möglich gestört.

“Entweder wir finden einen Weg, oder wir machen einen.”

Dieses Zitat von Hannibal, einem Feldherren der Antike, trifft auf Elon Musk zu. Es gibt Problem, aber am Ende setzt sich der Fortschritt durch.

Wie beim Bau und Betrieb jeder große Fabrik leidet die Region, das Wasser wird knapp, Wälder müssen weichen, umweltschädigender Kohlestrom wird verbraucht und der Pendelverkehr erhöht den CO2-Ausstoß. Inwieweit diese Umweltschäden ausgeglichen werden können, hängt beispielsweise davon ab: Gibt es in der Region um Grünheide genug Wasser für die Natur, die Einwohner und die Gigafactory? Wachsen die Ausgleichswälder gut und schnell an? Fragen die nur die Zukunft beantworten wird.

Dem Tesla Chef muss man zugestehen, seine E-Autos ersetzen Verbrenner-Autos. Bisher bediente er den hochpreisigen Automarkt, in Grünheide soll ein 20.000 Euro Auto gebaut werden, womit nun im Mittelklassemarkt mit Konkurrenz aus „Made in Grünheide“ zu rechnen ist.

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